Skip to main content

DIY – Autolackierung mit dem Farbsprühsystem

Eine Autolackierung ist quasi die hohe Kunst des Lackierens schlechthin. Um es gleich vorweg zu nehmen, einen fehlerfreien Lack auf einem Fahrzeug zu kreieren, ist ein aufwendiges Verfahren. Andererseits ist eine Fahrzeuglackierung nicht so schwer, wie dich manche Autoliebhaber glauben machen wollen. Mit etwas Geschick und einer gründlichen Vorbereitung gelingt auch dir eine akzeptable Lackierung mit einem leistungsstarken Farbsprühsystem. Wir haben verschiedene Farbsprühgeräte im Test verglichen. Wie die Autolackierung mit einem Farbsprühsystem richtig gelingt, erfährst Du in diesem Ratgeber.

 

Autos lackieren mit einem Farbsprühsystem  

Das Lackieren des Autos ist etwas, über das wir alle irgendwann nachgedacht haben. Meist haben wir den Gedanken beiseite geschoben, dorthin, wo all unsere nicht realisierten DIY-Träume abgelegt sind. Dabei ist eine Fahrzeuglackierung dank modernster Farbsprühtechnik heute einfacher denn je. Willst du dich an diesem bunten Abenteuer versuchen: Teste dein Geschick an einem kleineren Teil. Dazu eignen sich insbesondere die Frontschürze von deinem Auto, die seitlichen Schweller oder der Tank von einem Motorrad.

Auto Lackieren

 

Kleine Farbenkunde für angehende Autolackierer 

Im Gegensatz zu den meisten Farben ist ein Autolack deutlich spezialisierter. Es gibt verschiedene Typen von Autolack, von denen einige nach einem bestimmten Farbenplan verwendet werden müssen.

Grundierung

Die Grundierung ist die Farbe, die du auf das blanke Metall auftragen musst. Ein solcher Primer wirkt als Bindemittel zwischen dem Metall und der nachfolgend aufzutragenden Farbe. Zudem ist die Grundierung ein Rostschutz. Grundierungen werden in verschiedenen Farbtönen angeboten. Generell gilt, dass weiße oder graue Grundierungen der ideale Untergrund für alle hellen Autolackierungen sind. Dunkelgraue, rote oder braune Grundierungen solltest du wählen, wenn du dein Fahrzeug schwarz, dunkelblau, braun oder anthrazit lackieren willst.

Grundlack

Der Grundanstrich oder Grundlack ist die Lackschicht, die deinem Auto die gewünschte Farbe verleiht. Der Grundlack besitzt keine Schutzfunktion für die darunter liegende Grundierung oder das Metall. Da die Grundierung porös ist, haftet dieser Grundlack gut und bildet eine geschlossene Oberfläche mit nur minimalen Poren. Aber der Lack ist kein Feuchtigkeitsschutz. Nur wenn die Grundierung fehlerhaft ist, kommt es zu Abplatzungen von Lackstücken, Blasen oder Rost. Im Prinzip ist der Grundlack die Kosmetik auf der Karosserie. 

Klarlack

Der Klarlack ist die Deckschicht in der mehrstufigen Lackierung. Er schützt alle darunter liegenden Farbschichten vor Feuchtigkeit, Wind und allgemeiner Erosion. Die meisten Klarlacke sind auch mit UV-Hemmern ausgestattet, um Sonnenschäden im Laufe der Zeit zu vermeiden. In der modernen Autolackierung wird das dreistufige Lackierverfahren verwendet, wobei eine Grundierung und ein Grundlack aufgetragen werden, gefolgt von einer Klarlackierung.

Acrylfarbe

Acrylfarbe wird bei Autos inzwischen eher selten verwendet. Acryl gilt als veraltete Methode. Allerdings kommt genau diese Art Farbe bei Restaurierungsprojekten älterer Autos zum Einsatz. Acrylfarbe bietet im Gegensatz zu einem Grundlack Glanz und Schutz für die Grundierungsschicht und das darunter liegende Metall zugleich. Deshalb ist bei einer Acylfarbenlackierung keine Klarlackschicht erforderlich. Aus diesem Grund werden Acrylfarben manchmal als einstufige oder einschichtige Autolackierung bezeichnet.

Metallic-, Chamäleon-, Effektlack, Acrylic Enamel

Metallic-Farben werden hauptsächlich bei Sportwagen und Fahrzeugen für gehobene Ansprüche eingesetzt. 

Chamäleonfarben scheinen ihre Farbe zu ändern, je nachdem, wie die Sonne oder die Lichter darauf treffen. Chamäleonfarben wechseln häufig von grün oder blau zu violett oder schwarz und sind selten. Sie werden hauptsächlich bei exotischen Autos, Rennwagen oder Hypercars verwendet. 

Effektlacke sind in der Regel mit feinsten Schwebstoffen versetzt, die in der Regel einen Glitzereffekt erzeugen. 

Acryllacke oder Acrylic Enamel sollte nicht mit Acrylfarbe verwechselt werden, denn diese Lacke sind vollkommen unterschiedlich. Ein Acryllack ist extra dick und muss erheblich verdünnt werden, damit eine Spritzpistole genutzt werden kann. Zudem ist ein echter Acryllack schwer zu bekommen. Diese Art Lack sollte nur von einem sehr erfahrenen Lackierer aufgetragen werden. Zudem ist es notwendig, die lackierten Teile oder das gesamte Fahrzeug nach dem Lackieren in einem heißen Raum zu backen. Der Acryllack wird dann zu einer harten, aber teilelastischen Hülle, die das gesamte Fahrzeug schützend umgibt. Acryllacke halten erheblich länger, als bei herkömmlichen Lackierungen üblich.

Ein geeigneter Raum

 

Der geeignete Raum zum Sprühlackieren von Fahrzeugen 

Einer der wichtigsten Faktoren für eine gelungene Lackierung ist ein geeigneter Raum. Dieser muss: 

  • sehr gut belüftet sein. 
  • staubfrei gemacht werden können. 
  • eine erstklassige, helle und naturnahe Beleuchtung besitzen.
  • ausreichend Bewegungsfreiheit bieten, auch wenn das Fahrzeug darin steht. 

Eine Scheune mit einem Sand- oder Lehmboden ist zwar ausreichend groß, aber dennoch denkbar ungeeignet. Du wirbelst mit jedem Schritt feine Staubpartikel auf, die sich beim Lackieren mit einem Sprühsystem in der Farbschicht ablagern. Und dies ist später deutlich sichtbar. Eine Scheune mit einem Betonfußboden eignet sich eher. Allerdings solltest du den Bereich zum Lackieren mit einer schweren Folie abhängen, also quasi flexible Wände und ein Dach daraus konstruieren.

Schleifen in einem separaten Raum – soweit möglich

Die Schleifarbeiten zur Vorbereitung der Lackierung sollten niemals im gleichen Raum stattfinden, wie die Lackierung mit der Sprühpistole selbst. Ist dies unumgänglich, ist nach dem Schleifen, Füllen und Abkleben eine absolut gründliche Reinigung des Raums unbedingt erforderlich – bis hinein in die letzte Ecke und inklusive aller eventuell vorhandenen Schränke, Schubladen sowie Regale. Überdies ist es ratsam, einen Luftreiniger zu installieren, der Staubpartikel aus der Raumluft zuverlässig entfernt. Bewährt haben sich bei Lackierungen mit Sprühsystem Luftfilter, die über ein Wasserbad die Partikel aus der Raumluft filtern. Die Kapazität eines solchen Gerätes je Stunde sollte mindesten viermal höher als das Volumen des Lackierraums sein.   

Dauer des gesamten Lackierprozesses

Überdies muss dir klar sein, dass der Raum für mindestens 10 Tage nicht anderweitig genutzt werden kann. Du benötigst zur Demontage von Lampen, Zierleisten sowie anderen Anbauteilen und zum Schleifen, Spachteln sowie Abkleben etwa zwei bis drei Tage. Einen Tag musst du für das Lackieren einrechnen. Anschließend trocknet der Lack binnen 24 Stunden, sodass du ihn berühren kannst. Das reicht aber nicht. Da du kaum über einen Heizofen verfügen wirst, um den Raum auf Temperaturen von über 50° C aufzuheizen, sollte der Lack die Zeit bekommen, binnen einer Woche in Ruhe auszuhärten.

 

Das Auto mit einem Sprühsystem lackieren 

Sicherheit und deine Gesundheit gehen vor, deshalb ist diese Ausrüstung unbedingt notwendig: 

  • Lackiererhandschuhe aus Nitril, denn diese sind lösungsmittelbeständig. Zudem gibt es diese Handschuhe mit Strukturierungen auf der Handfläche und den Fingern, was dir das Arbeiten erleichtert.
  • Ein Overall der entweder vollständig wasserdicht oder zumindest spritzwassergeschützt ist. Ideal ist ein Overall mit Kapuze und elastischen Manschetten.
  • Eine Atemschutzmaske. Diese sind als Halb- oder Vollmaske erhältlich, wobei ich die Vollversion immer vorziehe. Zudem sollte die Maske über einen Einwegfilter verfügen. Denke daran, genügend Filter verfügbar zu haben. Für eine Autolackierung mit einem Sprühsystem benötigst du mindestens drei Filter.
Mit einem Sprühsystem lackieren

Ich überspringe hier die Arbeitsschritte, die zur Vorbereitung des Autos notwendig sind. Das soll Thema eines weiteren Artikels sein, denn Rostentfernung, Spachteln, Füllen, Schweißen, Teile restaurieren oder nachbauen würde hier jetzt zu weit führen.  

Direkte Vorbereitungen für die Lackierung mit einem Lacksprühgerät 

Deine vorerst größte Sorge sollte dem Staub gelten! Legt der sich auf das neu lackierte Auto, bevor der Lack ausgehärtet ist, wird dies mit großer Sicherheit die gesamte Arbeit ruinieren. Deshalb solltest du das Luftreingungsgerät mindestens 12 Stunden vor Arbeitsbeginn einschalten. 

1. Schritt

Mische die Grundierung an. Dazu benötigst du vermutlich einen Verdünner. aber nicht immer, denn einige Produkte dürfen nicht verdünnt werden. Packungsbeilage eingehend studieren! Achte beim Einkauf des Verdünners darauf, dass dieser mit der Grundierung und dem Autolack kompatibel ist. Das ist nicht immer der Fall. Schlimmstenfalls beginnt der Lack zu klumpen und du musst mit der Arbeit von vorn beginnen. Für ein Auto mittlerer Größe wirst du um 5 Liter Grundierung benötigen. 

Trage die Grundierung erst dann auf, wenn du eine Probelackierung durchgeführt hast. Auf diese Weise ist einfacher, die Düse perfekt zu justieren und den optimalen Sprühnebel zu erzeugen. Die Grundierung wird wie die Lackierung später, in gleichmäßigen Bewegungen aufgetragen. Dabei solltest du einen konstanten Abstand von rund 30 bis 40 Zentimetern einhalten. Trage die Grundierung in zwei Schichten auf, sodass auch wirklich alle Metallflächen lackiert sind. Nach der Grundierung nicht vergessen: Farbsprühystem gründlich reinigen!

2. Schritt 

Ist die Grundierung durchgetrocknet, wird die gesamte Karosserie mit einem Nassschleifpapier mit einer Körnung von 1.200 bis 2.000 abgeschliffen. Dieser Arbeitsschritt ist ungemein wichtig. Du darfst auf keinen Fall die Grundierung bis zum Metall abschleifen, denn der Lack ist kein Rostschutz. Und – je sauberer und feiner du arbeitest, desto besser wird die folgende Lackierung mit dem Farbsprühsystem.  

3. Schritt

Im erneut vom Staub befreiten Raum, in dem der Luftreiniger seit Stunden seine Arbeit verrichtet, trägst du nun den gewünschten Autolack auf. Du kannst es dir einfach machen und anhand des Farbcodes der Hersteller deine Traumfarbe auswählen. Diese lässt du dir in einem Geschäft für Autofarben oder im gut sortierten Baumarkt anmischen. In der Regel wirst du 15 bis 20 Liter Autolack benötigen. Willst du die Farbe selbst anrühren, führe unbedingt eine Probelackierung auf einem alten Stück Blech durch. Sieh dir das Ergebnis bei Tageslicht an. Kunstlicht kann die Farbe verfälschen. 

Eine kurze Anekdote am Rande: Ein Freund von mir hat den Tank seiner 800er BMW dunkelblau lackieren wollen. Er hat keine Probelackierung gemacht. Als er seine BMW aus der Garage mit Neonlicht schob, glänzte der Tank in einem unsagbar dunklen Violett. Von dem Tag an trug die Maschine den Spitznamen Milka-Gummikuh. Entsprechendes Gespött war gratis.  

Als Lackiersystem für die Sprühlackierung von Fahrzeugen empfehle ich immer Modelle mit einem ölfreien Kompressor. Grund dafür ist, dass bei diesen Geräten kein Öl in die Farbe gelangen kann, was die gesamte Lackierung zunichte machen würde. Zudem ist es unbedingt ratsam, ein Lacksprühsystem mit Airless-Technik zu kaufen, da sich damit die besten Ergebnisse erzielen lassen. Um ein optimales Lackierergebnis zu erhalten, solltest du drei oder vier Schichten Lack auftragen. Das garantiert dir auch, dass du keine Stelle übersehen hast und nirgends die Grundierung durchscheinen wird. Zwischen den Schichten ist eine Wartezeit einzulegen. Wie lange diese andauern muss, steht auf dem Farbbehälter. Wenn Du keinen Farbverlauf bei deinem Auto willst, solltest Du außerdem darauf achten, den Sprühnebel zu vermeiden.

4. Schritt 

Ist die Lackierung fertig gestellt, heißt es antrocknen lassen. Anschließend trägst du mit dem frisch gereinigten Farbsprühsystem den Klarlack auf, der für den Tiefenglanz der Lackierung sorgt. Vergewissere dich bereits beim Einkauf, dass der Klarlack mit dem Grundlack kompatibel ist. Ist dies nicht der Fall, löst sich der Grundlack ab, bildet Knötchen und muss vollständig abgetragen werden. 

5. Schritt

Nachdem die Autolackierung vollständig durchgetrocknet und ausgehärtet ist, also rund eine Woche nach der Lackierung, kannst und solltest du einen Hartwachs auftragen. Verwendest du eine gute, moderne Poliermaschine mit Exzentertechnik, kannst du diese gerne dazu verwenden. Bei älteren Poliermaschinen ist Vorsicht angesagt, denn diese verursachen mitunter kleine Lackschäden, insbesondere auf einem frischen Autolack. Welche Poliermaschinen ideal sind und warum, habe ich in den Artikeln „Die besten Poliermaschinen im harten Test“ und „Exzenter Poliermaschinen – Vorteile, Stärken und Schwächen“ bereits erklärt.
Welche Aufsätze für die Jungfernpolitur geeignet sind, kannst du im Artikel „Welche Aufsätze für Poliermaschinen gibt es und wofür…“ nachlesen.

6. Schritt

Nach der Nutzung eines Farbsprühsystems gehört die gründliche Reinigung des Sprühgerätes selbstverständlich dazu. Dadurch ist das Gerät beim nächsten mal nicht nur einsatzbereit und es erspart langfristig teure Reparaturen oder sogar einen Totalausfall.

 

Fazit: Eine Autolackierung mit einem modernen Airless-Farbsprühsystem ist einfacher als du glauben magst

Zeitgemäße Airless-Farbsprühsysteme kaufen, ist eine Investition, die sich auf absehbare Zeit amortisiert. Diese Geräte sind derart vielseitig einsetzbar, dass du sogar im DIY dein Auto oder das Motorrad neu lackieren kannst. Dabei musst du einige Punkte wie die Staubfreiheit des Raumes beachten. Aber mit etwas Geschick kannst du mehrere Tausend Euro sparen, denn eine Autolackierung vom Fachmann kann je nach Lack, Farbwünschen und Umfang der Vorarbeiten schnell um 5.000 Euro kosten. Wichtig ist auch, dass Du darauf achtest, dass dein Farbsprühsystem ausreichend Leistung liefert. Hier erfährst Du mehr, wie Du Autolack mit der richtigen Poliermaschine pflegst.

 

Weitere Informationen

Was ist und wofür wird Spritzspachtel genutzt?

Nach Oben